Partnerschaft, Sexualität

Offene Beziehung ohne totale Offenheit

Nicht jeder Mensch will monogam leben, auch wenn er in einer Beziehung ist. Allerdings muss man bedenken, dass selbst körperliche Liebe, die man außerhalb einer Beziehung gibt und empfängt, den eigentlichen, zurückgelassenen Partner nicht nur kränken, sondern sehr stark leiden lassen kann, wenn er nicht selbst von der Idee der offenen Beziehung begeistert ist.

Das erzeugt für beide Partner durchaus einen Leidensdruck, sowohl für den, der den anderen vollkommen für sich haben will, wie für denjenigen, der zumindest in körperlicher Hinsicht mehr Freiheit wünscht. Nicht wenige Beziehungen zerbrechen nach mehr oder weniger langem Liebeskummer an diesem Unterschied.

Bevor es allerdings so weit kommt, hat man immer noch Optionen, dem Freiheitsdrang des Partners mehr Raum zu geben, auch ohne dass dieser dazu tatsächlich in eigener Abwesenheit mit anderen Partnern schlafen darf. Probieren sollte man die nachfolgend gelisteten Optionen definitiv, denn jede Beziehung lebt von Kompromissen. Denn bevor man eine Liebe „wegwirft“ sollte man zunächst alle Lösungsmöglichkeiten probieren.

1. Spielzeuge und mehr

Sexspielzeuge sind längst nicht mehr nur etwas für Singles. Auch immer mehr Paare bauen sie in ihr Liebesspiel ein – ohne dass dabei große sexuelle Offenheit vonnöten wäre. Allerdings können Spielzeuge durchaus auch eine niedrigschwellige Möglichkeit offerieren, dass ein Partner mit Freiheitsdrang mehr von diesem Gefühl bekommt, ohne dass eine weitere Person auf irgendeine Weise dazugehört. Dazu gibt es mehrere Möglichkeiten:

  • Sexpuppen und ähnliche Spielzeuge – nicht in der wenig realistischen aufblasbaren Version, sondern den wesentlich lebensechteren Varianten, die heutzutage angeboten werden.
  • Dildos bzw. Vibratoren, die so geformt sind, dass sie ohne haltende Hand im Körper verbleiben. Damit können Frauen sowohl eine Doppelpenetration mit zwei Männern simulieren wie Männer eine bisexuell angehauchte „Daisy Chain“, in der sie die Partnerin penetrieren, während sie selbst anal penetriert werden.
  • Umschnall- bzw. Partnerdildos. Sie eignen sich zwar nicht für jede Form von sexuellem Freiheitsgedanken, ermöglichen im Bett aber einen Rollentausch und darüber eine definitive Erweiterung des sexuellen Horizonts.

Zudem sei unterstrichen, dass viele dieser Helfer auch bei den nachfolgenden Kapiteln unterstützen können.

2. Ein Dreier

Wenn von offenen Beziehungen die Rede ist, dann ist damit bei der überwältigenden Mehrheit der Fälle außerhalb der Beziehung nur Sex gemeint – sonst würden wir bereits von Polyamorie sprechen und dabei handelt es sich um eine völlig anders gelagerte Problemstellung.

Wir halten fest: Es ist also „nur Sex“. Der gesamte gefühlsmäßige Part der Liebe bleibt auch beim Partner, der gerade mit jemand anderem schläft, auf seinen eigentlichen Partner fokussiert und ist durch den Sex in keiner Weise gefährdet. Ja, das geht, Menschen, die darauf stehen, können tatsächlich im Kopf eine funktionierende Grenze zwischen Sex und Liebe aufziehen, auch wenn das für Außenstehende schwer zu verstehen sein mag.

An diesem Punkt sollte man sich fragen, was genau einen an dem Wunsch nach Offenheit stört:

  • Die generelle Tatsache, dass der Partner Sex mit anderen haben möchte?
    oder
  • Die Tatsache, dass es sich um Sex mit anderen in Abwesenheit des Partners handelt?

Wer sich nur bei der Vorstellung sträubt, dass der Partner abends loszieht und irgendwo mit irgendwem schläft, der könnte natürlich ganz einfach diesen Abwesenheits-Part beseitigen.

Das bringt uns zum Dreier. Der Partner darf zwar auch mit jemand anderem Sex haben, aber nur, wenn der eigentliche Partner mit von der Partie ist. Und entgegen der Lehre, die uns die Pornoindustrie vermittelt, bedeutet das nicht, dass dazu jeder mit jedem müsste. Jeder muss nur das machen, worauf er Lust hat. Möchte man natürlich grundsätzlich nicht, dass der Partner Sex mit anderen hat, muss man andere Optionen probieren.

3. Der heiße Draht

Das bringt uns zu den zahllosen Möglichkeiten, die uns die moderne Kommunikation beschert. Denn klar ist, dass es via Telefon, Webcam und entsprechende Seiten heute problemlos möglich ist, „Sex“ mit anderen zu haben, ohne dass sich dabei zwei Menschen körperlich nahe sein müssten.

Konkret geht es um Telefonsex mit Cam. Der Partner darf von zuhause aus (und ggf. in Anwesenheit des anderen Partners) einen solchen Service nutzen – darf sich stimulieren lassen, darf dabei masturbieren.

Für viele ist das ein tauglicher Kompromiss, mit dem beide Parteien gut leben können, denn es findet eben keine echte Körperlichkeit statt, die gesamte Aktion hat mehr etwas von einem interaktiven Porno – womit auch eifersüchtige Menschen deutlich besser zurechtkommen.

Übrigens wäre es eine erweiterte Variante, dass der Partner den Dienst nutzen darf, der andere aber nicht nur zugegen ist, sondern aktiv mitmacht. Das heißt, ihn dabei befriedigt. An dieser Stelle verwischt wiederum die Grenze zum flotten Dreier.

4. Appetitanreger

Menschen können viele Gründe haben, weshalb sie sich eine offene Beziehung wünschen. Für viele ist es dabei noch nicht mal so sehr der Sex, sondern das große Drumherum. Das Flirten, das Herzklopfen, der Kontakt mit einem fremden, aufregenden Menschen. Dass es dabei zum Geschlechtsverkehr kommt, ist oft nur das „Sahnehäubchen“.

Dabei stellt sich eine weitere Frage, ob es nun überhaupt notwendig ist, dass der Partner diese Erfahrung mit einer fremden Person gemeinsam genießt. Soll heißen, man kann ihm ja gestatten, dass er all das Flirten, das Ausgehen usw. durchaus genießt und sich draußen „Appetit holt“. Letzten Endes ist das Fremdflirten und das können viele mit ihrem Gewissen durchaus vereinbaren.

Dann aber muss er zu seinem festen Partner zurück – wo er dann natürlich auch Sex bekommen sollte und zwar die leidenschaftliche Variante. In diesem Fall wird die Offenheit nur zu einem „Auswärts-Vorspiel“.

5. Hochwertiger Sex

Es gibt viele Gründe, warum jemand trotz Beziehung mit anderen schlafen möchte. Bevor man auch nur eine der hier genannten Lösungen ausprobiert, sollten beide Partner erst einmal in einem offenen, ausgiebigen Gespräch klären, was dabei der Hintergrund ist.

Vor allem der Partner mit Freiheitsdrang sollte dabei in sich hineinhorchen: Ist es wirklich der Wunsch, mit jemand anderem zu schlafen, der einen vom Partner wegtreibt? Ist es vielleicht nur die Tatsache, dass man sich erhofft, bei jemand anderem etwas zu bekommen, das man zuhause nicht erhält?

Ist nämlich das der Fall, wäre die offene Beziehung tatsächlich sogar eine Lüge dem Partner gegenüber. Denn er ist ja dann letztlich der Auslöser.

Das bedeutet:

  • Beide Partner sollten klar aussprechen, was sie in sexueller Hinsicht möchten.
  • Der Partner mit monogamem Wunsch sollte überlegen, in wieweit das, was sein Gegenüber wünscht, mit seinen eigenen Vorstellungen vereinbar ist.
  • Beide sollten versuchen, sich in der Mitte zu treffen.

In jedem Fall ist Offenheit der Schlüssel. Der andere Partner sollte überlegen, über seinen Schatten zu springen. Denn in den allermeisten Fällen wird das Mitmachen bei einer gewünschten Sexpraktik das „kleinere Übel“ gegenüber einem Partner sein, der diese Lust woanders bekommt.

Bild: unsplash.com © Dainis Graveris

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